Kultur oder Konsum?

Am 02.06. hielt Stadtrat Dirk Munzig im öffentlichen Teil der Stadtratssitzung eine Rede zum Tagesordnungspunkt 8.1 Billigung Entwurf Bebauungsplan „Karls Erlebnis-Dorf Döbeln/Mittelsachsen“ und Beschluss
förmliche Beteiligung „interessierter Parteien“
, deren augenöffnender Inhalt jeden Döbelner, besonders den kulturhistorisch interessierten Bürgern sowie den direkt betroffenenen Gärtitzern, zu denken geben müsste.

Das Projekt des Erlebnis-Dorfes wurde am 01.10.2020 im 11. Hauptausschuss das erste Mal nichtöffentlich vorgestellt und am 15.10.2022 in der Stadtratssitzung öffentlich behandelt.
Nachdem man Herrn Robert Dahl an anderen Orten mit seinem Projekt vorher abwies und es zu einer Sondierung in Döbeln kam, wurden wir Stadträte am Anfang zum Stillschweigen vergattert. Deshalb wurde erst spät die Öffentlichkeit informiert. Informationen von interessierten Bürgern konnten so erst im Nachgang bearbeitet werden.
Erst letzte Woche wurden von uns Fraktionsvorsitzenden im Ältestenrat ein
Schweigegelübde zu einigen Sachverhalten abverlangt. Seitdem ich mich in der Kommunalpolitik engagiere, ist das ein einmaliger Vorgang. Solch ein Gebaren kenne ich nicht einmal aus dem Mittelsächsischen Kreistag.
Zudem erfahren wir Stadträte hier in Döbeln mehr aus der Presse als vom
Oberbürgermeister selbst. Erst sehr spät rückte die Stadtverwaltung scheibchenweise die kulturhistorische Bedeutung des Geländes heraus. Dabei waren sowohl aus dem Umfeld als auch vom Gelände selbst im Vorfeld archäologische Kulturdenkmale auf einer 100.000m2
großen Fläche aus einer mehr als siebentausendjährigen Besiedlung bekannt.
Aus sicherer Quelle wissen wir: Der überwiegende Teil gehört zu einer gut
erhaltenen, mehrphasigen Siedlung der frühen Jungsteinzeit (ca. 5500-4500 v. Chr.). Es ist auf dem Areal mit einer hohen Anzahl an Gebäudegrundrissen und mehreren tausend Funden und Befunden zu rechnen. Damit gehört der Fundplatz zu den größten bekannten Siedlungsplätzen der frühen Jungsteinzeit im mittelsächsischen
Raum und besitzt regional wie überregional einen hohen Stellenwert.Bereits 2006 bekundete die Sächsische Bauunion Gröditz ihr Interesse an dem Areal und am 09.10.2008 wurde der Bebauungsplan Nr. 5.1/07 vorgestellt. Danach hört im Ratsinformationssystem jeder Bezug zu diesem Projekt auf.
Bekannt wurde, dass das sächsische Landesamt für Archäologie 2008 in diesem Zusammenhang in einer Stellungnahme zu diesem Bebauungsplan über die archäologische Relevanz des Gebietes informierte und es wurde darauf hingewiesen, dass vor Beginn von Bodeneingriffen archäologische Grabungen durchzuführen sind!
An keiner Stelle wurden die Stadträte jemals über diese vorliegende Stellungnahme informiert, die aber ins Ratsinformationssystem gehört.
In den 11 Anlagen der Beschlussvorlage findet man nichts über die kulturhistorische Relevanz des Areals!
Auch wenn Herr Dahl nicht aus unserer Region kommt, möchte ich ihn ermuntern, meinen bereits zur 20. Stadtratssitzung geäußerten Vorschlag aufzugreifen, die Rekonstruktion solch eines kulturhistorisch bedeutenden Langhauses auf dem Gelände zu ermöglichen. In diesem Gebäude wäre dann eine Dokumentation von 7000 Jahre Geschichte ein nachhaltiges Erlebnis im Erlebnis-Dorf. Die Attraktivität des Freizeitparks könnte damit erhöht werden und auch historisch interessierte Bürger würde man zusätzlich anlocken.
Mit Sicherheit wäre diese Projekterweiterung förderfähig.

Dirk Munzig, Vorsitzender Fraktion jetzt – für unser Döbeln