Kontrollwut im städtischen Kindergarten

Nach der letzten Bürgermeisterwahl, die bedenklich knapp für die an Dauersieg gewöhnte CDU ausging, schrieb jemand genauso überraschtes folgendes: Bisher hatte ich immer gedacht, man könnte einen Besenstiel vor dem Döbelner Rathaus aufstellen und CDU daraufschreiben – er würde haushoch gewinnen. Woher in Döbeln dieses „Urvertrauen“ in diese Partei kommt und warum es ins Wanken geraten ist, mag unterschiedliche Gründe haben. Unbestreitbar ist, dass das vergangene Jahr und die Handhabe der heraufbeschworenen Pandemie weitere Zweifel an den Regierungsansprüchen dieser Partei weckt, auch ganz konkret hier vor Ort. So wurde uns heute mitgeteilt, dass Mitarbeiter eines städtischen Kindergartens Eltern mit Anzeige drohten, sollten dieses es wagen ihre Kinder zur Notbetreuung zu bringen (die diesen Familien zugestanden wurde), wenn sie nicht auf Arbeit müssen und somit daheim sind. Um sicher zu gehen, dass der unmündige Bürger auch wirklich nicht betrügt, würde man stichprobenweise bei Verdachtsfällen zuhause anrufen und schauen ob die Falle zuschnappt. Wie vertrauenserweckend – und unverschämt! Der Kontrollverlust der Regierenden artet immer mehr in Kontrollwut bei deren Untergebenen aus. Denn Angst vor Überarbeitung kann nicht der Grund für solche Androhungen gewesen sein, da auch die von der Stadt angestellten Erzieher in Kurzabeit sind. Wohl eher das munterfrohe,von oben diktierte Einschränken von Grundrechten, das wahrscheinlich vergessen lässt, dass es eine Privatsphäre gibt. Und Datenschutz. Es gab auch mal so etwas wie Vertrauen und eine sogeannte Unschuldsvermutung. Die wurden wie es scheint ersetzt durch blinden Gehorsam und Denunziantentum.

Doch zurück zum Anfang. Mehrfach betonte der CDU-Oberbürgermeister – eigentlich korrekter Weise nach neustem Gestzessprech Einwohnermeister -, dass er bezüglich der Coronaverordnungen gar nichts unternehmen könnte, das würde die Landesregierung entscheiden. Er sei nur zuständig für Schulen, Kindergärten und Spielplätze (War es noch mehr? Erdbeerländer vielleicht?). Nun, dann wäre es doch mal dringend notwendig in seinem Aufgabenbereich für Ordnung zu sorgen.

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